Von Weitem betrachtet soll die Fassade an Segel erinnern, von Nahem erkennt man die gefalteten und teilweise perforierten Metallbleche.

Fünf unterschiedlich große Kuben auf einem gemeinsamen Sockel verlängern die Gebäudekanten der bereits flussaufwärts existierenden Geomar-Bestandsbauten.

Türen von Schörghuber mit ungewöhnlicher Breite kommen im Geomar an verschiedenen Stellen vor. Sie benötigen eine Zustimmung im Einzelfall.

Die Schiebetür vor dem Aufzug erfüllt mit großer Öffnungsweite, T30 Brandschutz und Rauchdichtigkeit höchste Anforderungen – möglich durch spezielle Führungsschienen, verstärkte Dichtungen und komplexe Schließ- und Offenhaltemechanismen.

Einige Türen von Schörghuber setzen subtile farbliche Akzente, andere sind in zurückhaltendem Grau beschichtet.

Glasausschnitte verhindern unter anderem Kollisionen.

Geomar in Kiel: Maritim

Architektur
Fachpresse
Verarbeiter

Bildung braucht Grundlagenwissen. Und wenn es um das Wissen über Ozeane geht, dann gibt es auf der Welt wenige Orte, die mit dem Geomar in Kiel vergleichbar wären. Im Neubau des Helmholtz-Zentrums von Staab Architekten wird grundlegend geforscht und gelehrt. Viele außergewöhnliche Türformate, die eine Zustimmung im Einzelfall erforderten, machten das Projekt auch für Schörghuber zu einem besonderen.

Wer wissen will, wie es heute auf dem Grund der Ozeane aussieht, der frage am besten im Kieler Geomar nach. Nicht unbedingt im Aquarium fürs breite Publikum, sondern auf der anderen Seite der Förde, wo Wissenschaft in geballter Form zu finden ist. Am Ufer des Flüsschens Schwentine und kurz, bevor das Gewässer in die Kieler Förde mündet, wird erforscht, welche chemischen, physikalischen, biologischen und geologischen Prozesse sich in den Ozeanen abspielen und wie sich das alles auf den Meeresboden, die Atmosphäre – und damit auf unser aller Zukunft auswirkt.

Maritime Bildung

Mit vollem Namen heißt die Forschungsanstalt „GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel“. Und Staab Architekten haben der Einrichtung eine ambitionierte äußere Form verliehen, die zu ihrer weltweiten Bedeutung passt. Was einmal zur maritimen Allgemeinbildung der Bevölkerung gehören wird, das wird hier grundlegend erforscht – und in Kooperation mit der örtlichen Universität dem studentischen Nachwuchs der Meereswissenschaften vermittelt. Als das wirklich sehr große Gebäude entworfen wurde, waren sich vermutlich alle Beteiligten im Architekturbüro über eines im Klaren: All jenen, die hier forschen und studieren, werden gut ausgestattete Labore am wichtigsten sein, außerdem funktionierende Abläufe, ausreichend Lager für die Gerätschaften der Expeditionsfahrten und ideale Voraussetzungen für weltweite Konferenzen. All diese Funktionen bietet der Neubau. Es gibt eine Vielzahl an speziellen Räumen vom Konferenzraum aus Glas bis hin zum strahlungssicheren Labor.

Spezialtüren mit Überbreite

So unterschiedlich die Räume, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen an die Türen. „Das Geomar ist ein herausragendes Projekt, weil es hochmoderne Forschungsinfrastruktur mit speziellen Anforderungen an Sicherheit, Klima- und Druckverhältnisse kombiniert. Besonders bei den Türen waren außergewöhnliche Lösungen gefragt, da sie nicht nur als Raumtrenner oder Zugänge dienen, sondern auch funktionale Aufgaben wie Druckausgleich, Schallschutz und Brandschutz erfüllen mussten“, erklärt Jens Dunkel, Geschäftsführer der ausführenden Firma Glas- und Bauelemente GmbH. Schörghuber als kompetenter Ansprechpartner für Spezialtüren aus Holz war hier der passende Partner für alle Beteiligten: Von den rund 180 gelieferten bekamen 78 Türen die Zustimmung im Einzelfall. Neben der aufwendigen technischen Ausstattung war auch die Überbreite vieler Türen ein Grund für diese hohe Zahl an Sonderlösungen. Drei Türen haben eine Gesamtbreite von 2.287 Millimetern, eine Tür sogar von 3.410 Millimetern. „Einige Türen waren so groß oder technisch anspruchsvoll, dass sie nicht in einem Stück produziert oder transportiert werden konnten. Daher wurden sie in zwei Teilen gefertigt und vor Ort zusammengesetzt, um Stabilität und Funktionalität zu gewährleisten. Dies war insbesondere bei Türen mit besonderen Anforderungen an die Rauchdichtigkeit notwendig“, fügt Jens Dunkel hinzu.

Zustimmung im Einzelfall

Eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE) ist erforderlich, wenn eine Tür von bestehenden Normen und Zulassungen abweicht. Dies kann der Fall sein, wenn besondere Materialkombinationen verwendet werden, die nicht standardisiert geprüft wurden oder wenn die Tür eine außergewöhnliche Funktion erfüllen muss wie extremen Druckunterschieden standzuhalten. Dabei müssen sie noch sicher geschlossen und auch mit definiertem Kraftaufwand in Fluchtwegen geöffnet werden können.

Hochkomplexe Türsysteme

Einige Türen im Geomar trennen Räume mit unterschiedlichem Luftdruck voneinander. Diese Türen müssen absolut luftdicht sein, um einen Druckausgleich zu verhindern. „Dies wird durch spezielle Dichtungen, verstärkte Türblätter und passgenaue Zargen erreicht. Zusätzlich kommen oft automatische Schließmechanismen und Druckentlastungsysteme zum Einsatz, um den Kräften, die durch den Druckunterschied entstehen, standzuhalten“, erklärt Jens Dunkel. Einige Türen sind zudem direkt ohne Abstand nebeneinander eingebaut. Die größten Herausforderungen sind dabei Stabilität und Passgenauigkeit. Türen ohne Abstand müssen millimetergenau gefertigt und montiert werden, um Dichtheit und Funktion zu gewährleisten. Des Weiteren kam eine Schiebetür direkt vor dem Aufzug zum Einsatz. „Schiebetüren müssen oft gleichzeitig große Öffnungsweiten ermöglichen, aber auch dicht und stabil sein. Im Geomar mussten sie auch Brandschutz T30 erfüllen und rauchdicht sein, was zusätzliche technische Lösungen wie spezielle Führungsschienen, verstärkte Dichtungen und komplexe Schließ- und Offenhaltemechanismen erforderte“, betont Jens Dunkel.

Je mehr Technik eine Tür enthält, desto aufwendiger wird ihre Montage und Justierung. Der Verarbeiter muss dabei verschiedene Gewerke wie Elektroinstallation und Steuerungstechnik koordinieren, um sicherzustellen, dass alle Komponenten reibungslos funktionieren. Zudem erfordert eine technisch komplexe Tür eine besonders präzise Verarbeitung und regelmäßige Wartung, um eine dauerhafte Funktionsfähigkeit zu gewährleisten.

Enge Zusammenarbeit und technische Präzision

Um allen Anforderungen von Staab Architekten gerecht zu werden, war eine enge Abstimmung zwischen Architekt, Verarbeiter und Hersteller sowie technische Präzision gefordert. „Der Architekt hatte klare Vorstellungen, die mit den individuellen Lösungen von Schörghuber in Einklang gebracht werden mussten. Für uns als Verarbeiter bedeutete dies eine hohe Planungsgenauigkeit, da jede Tür eine spezifische Anforderung erfüllte. Die enge Kooperation half dabei, maßgeschneiderte Lösungen effizient umzusetzen“, so Jens Dunkel.

Ambitionierte Architektur

Wer, wie die Mitarbeitenden des Geomar, in Tauchbooten den Meeresgrund absucht oder in arktischem Meerwasser nach Lebewesen fahndet, auf dessen Wunschliste steht Architektur nicht sehr weit oben. Dennoch wurde das enorme Bauvolumen von 14.500 Quadratmetern in ambitionierter Architektur untergebracht. Fünf unterschiedlich große Kuben sitzen nun auf einem gemeinsamen Sockel, und alles zusammen verlängert die Gebäudekanten der bereits flussaufwärts existierenden Geomar-Bestandsbauten. Die gegeneinander verschobenen Kuben bilden Patios aus und ermöglichen immer wieder spannende Ausblicke auf die Förde und die am eigenen Kai direkt am Geomar liegenden Forschungsschiffe. Wo die Flure aufgeweitet wurden, bietet sich die Gelegenheit für zufällige Begegnungen und den wissenschaftlichen oder privaten Austausch. Unsichtbar unterhalb der Wasserlinie führt eine eigens verlegte, viele Kilometer lange Rohrleitung aus der Ostsee durch die Förde bis ins Geomar. Das in die Labore gepumpte Ostsee-Forschungswasser bleibt somit unkontaminiert durch Hafen und Stadt.

Stilisierte Segel

Von außen bleibt ablesbar, wo geforscht wird und wo die Konferenzen stattfinden. Denn der Kubus mit den Gemeinschaftsräumen, den Veranstaltungsbereichen und dem Haupteingang wurde mit Cortenstahl verkleidet. Alle anderen Kuben besitzen eine Fassade aus gefalteten und unterschiedlich perforierten Metallblechen. Aus der Entfernung haben diese Dreiecke durchaus Ähnlichkeit mit den Segeln der 2.000 Boote, die während der Kieler Woche in der Förde unterwegs sind. Und angeblich – so heißt es zumindest auf den Fluren des Geomar – wurde ganz zu Beginn auch darüber nachgedacht, statt Metallpaneelen tatsächliche textile Segel zur Verschattung der großen Fensterflächen zu verwenden. Angesichts der strammen Windverhältnisse an der Ostsee waren die perforierten Bleche jedoch das Mittel der Wahl – und verleihen der Forschung einen Hauch von Poesie.

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